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14.06.2017


Die Kirchengemeinde Oberfischbach in der Zeit des Nationalsozialismus

Eine Zusammenstellung von Thilo Jung (Arbeitsgruppe Dorfchronik) aus Beiträgen von Gerhard Moisel, Bernd Steinseifer (…) und Thilo Jung in der 2016 erschienenen Dorfchronik „Oberfischbach 1342 bis 2017 – mehr als 675 Jahre“

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27.05.2003


Die Geschichte der Kirchengemeinde Oberfischbach

Die Kirchengemeinde bzw. das Kirchspiel Oberfischbach gehört zu den ältesten des Siegerlandes, wie z.B. Siegen, Netphen, Oberholzklau, Ferndorf und Krombach. Das Alter der Pfarrei und die Zeit ihrer Stiftung kann nicht angegeben werden. Eine der Sage nach vorhandene Stiftungsurkunde und alle weiteren Unterlagen und Dokumente bis zur Reformation sind bei einer Plünderung des Pfarrhauses im 30-jährigen Krieg, vermutlich im Jahre 1632, durch die Soldaten des Grafen Ludwig Heinrich, verlorengegangen oder zerstört worden. Die Christianisierung des Siegerlandes geschah vermutlich durch Winfried Bonifatius und seine Gehilfen im 8. Jahrhundert. Von Hessen her, das Lahntal herauf über das Wittgensteiner Land drang das Evangelium ins Siegerland vor. Daraus ergibt sich, dass die Gemeinde zum Erzbistum Mainz und zum Archidiakonat St. Stefan und näher zum Officialat (Kirchenprovinz) Amöneburg, bei Marburg, gehörte. Die Geistlichen des Siegerlandes unterstanden zunächst dem Dekan und Erzpriester zu Arfeld in Wittgenstein. Später gehörte Oberfischbach zum Dekanat Siegen. Anfang des 14. Jahrhunderts wurde es selbstständige Pfarrei. Die erste urkundliche Erwähnung ist von 1342. Johann Creuvel von Dirlenbach übergab den Hof Dirlenbach der Gräfin Adelheid von Nassau vor der Kirche in Oberfischbach. Dieses wurde von Pfarrer Hartmann mit Kirchensiegel beurkundet (Original im Staatsarchiv Münster).

Abendmahlskelch von Fürst Johann Moritz von Nassau aus dem Jahr 1665

1530 wurde durch den Grafen Wilhelm der Reiche die Reformation im Siegerland eingeführt. Die Ersterwähnung eines evangelischen Pfarrers in Oberfischbach stammt aus dem Jahr 1538. Ein sogenannter Revers von Heilmannus Widdermol vom 10. März 1538 befindet sich im Staatsarchiv Münster. In der Zeit des 30-Jährigen Krieges und der Gegenreformation hat das Bekenntnis mehrmals gewechselt. Dieses war immer mit großen Opfern und Bedrängnissen der Gemeinde verbunden. Vom Jahr 1646 an sind nur noch evangelisch reformierte Pfarrer hier tätig. Die Größe des Kirchspiels ist mehrmals verändert worden. Bis zum Jahr 1597 gehörten zu Oberfischbach noch die Ortschaften Plittershagen, Stöcken, Mausbach, die Höfe Oendorf (Hohenhain) und Herlingen. Diese kamen zur neu gegründeten Pfarrei Freudenberg. Im Jahr 1954 wurde Oberschelden zusammen mit Gosenbach eine eigene Kirchengemeinde.

Die Jahre des Nationalsozialismus waren auch für die Kirchengemeinde Oberfischbach eine bewegte Zeit. Es wird berichtet, dass zu Anfang die Mehrheit des Presbyteriums zur Nationalsozialistischen deutschen Arbeiter Partei (NSDAP) neigte. Der Pfarrer Hermann Barth war aber seit Beginn ein engagierter Befürworter und Mitarbeiter der Bekennenden Kirche (BK). Auf seinen Einsatz ist es zurück zu führen, dass 90% der Gemeindeglieder durch Unterschrift Mitglieder der BK wurden. So kam es schon Ende 1933 zu ersten Meinungsverschiedenheiten mit den "Deutschen Christen" (DC). Die Benutzung der Kirche durch die DC und ihre Lehre als nicht biblisch begründet, wurde durch das Presbyterium abgelehnt. Ein Antwortschreiben an Landesbischof Adler wurde unterzeichnet mit "Die Bischöfe von Oberfischbach".

Galaterbriefkommentar aus dem Jahr 865

1956 wurde bei der Neuordnung des Pfarrarchivs ein uraltes Schriftstück gefunden. Bei der Überprüfung durch Wissenschaftler des Staatsarchivs Münster stellte sich heraus, dass es sich um eine Handschrift des Gelehrten Abt Hrabanus Maurus aus Fulda handelte, der im Jahr 865 gestorben ist. Es ist das älteste Schriftstück, das je im Siegerland gefunden wurde. Es enthält ein Stück eines Kommentars zum Galaterbrief.
1964 wurde von der Kirchengemeinde die alte Schulen in Niederndorf erworben. Sie wurde zum Gemeindehaus umgebaut. Niederndorf und Dirlenbach wurden ein eigener Seelsorgebezirk. 1964 wurde dieser umgewandelt in den 2. Pfarrbezirk mit einer eigenen Pfarrstelle.