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Die Johanneskirche zu Oberfischbach

Zu Anfang war die Kirchengemeinde Oberfischbach eine „Filiale" von Siegen. Wenn die Gemeindeglieder einen Gottesdienst besuchen wollten, mussten sie dorthin zu Fuß gehen. Auch Trauungen und Taufen fanden nur dort statt. In Siegen wird die erste Kirche 913 urkundlich erwähnt. In Oberfischbach wurde die erste Kapelle vermutlich um das Jahr 1150 an der Stelle der jetzigen Kirche erbaut und Johannes dem Täufer geweiht. Fundamente von dieser Kapelle wurden bei der Renovierung der jetzigen Kirche im Jahr 1952 gefunden. Danach war der Grundriss nur ca. halb so groß wie der der heutigen Kirche. Schon um das Jahr 1630 beschwerte sich der damalige katholische Pfarrer Molitor über den schlechten Zustand der Kirche. Im Jahr 1790 war die Kirche mittlerweile so baufällig, dass man sie nur noch unter Gefahr für Leib und Leben betreten konnte. So blieb dem Presbyterium und seinem Pfarrer Hermann Achenbach nichts anderes übrig, als trotz der großen Armut der Gemeinde, einen Neubau zu beschließen. Im Winter des Jahres 1792/93 wurde der Abbruch der Kapelle vollzogen. Selbst die Grundmauern konnten nicht mehr verwendet werden. Die Gottesdienste fanden während der Bauzeit in den Schulen der vier großen Dörfer statt.

Der Bauinspektor Johann Friedrich Skell aus Dillenburg, der in den Diensten des Grafen Wilhelm V. von Nassau-Oranien stand, wurde beauftragt, die neue Kirche zu entwerfen, den Riss anzufertigen und die Oberaufsicht beim Bau zu übernehmen. Die örtliche Aufsicht wurde ausgeführt von dem Schullehrer Johann Friedrich Kray und dem Presbyter Johann Jakob Bender. Die Baukosten betrugen 4371 Reichsthaler, 29 Albus und 4 1/2 Pfennige. Diese Summe aufzubringen war für die Kirchengemeinde unmöglich. Trotz vieler Eigenleistungen und großer Opfer war man auf fremde Hilfe angewiesen. So bat man um einen Anteil aus dem Erlös der fürstlichen Lotterie, welcher auch mit 444 Thalern gewährt wurde. Eine Hauskollekte wurde genehmigt und durchgeführt. Johann Georg Fischbach aus Niederndorf wurde beauftragt diese im ganzen Siegerland, einschließlich aller katholischen Orte ( d.h. dem ehemaligen Fürstentum Nassau-Siegen) zu erheben. Das Ergebnis betrug 578 Thaler. Das Kollektenbüchlein mit allen Eintragungen ist noch vorhanden. Dazu kamen Einnahmen von "gnädigst bewilligten Hüttentagen" von der Tiefenbacher und Marienborner Hüttengewerkschaft mit 333 Thalern. Durch den Verkauf von Mahlbäumen (Grenzeichen) wurden 1000 Thaler und durch Verkauf von Eisen und Baumaterial von der alten Kapelle 400 Thaler erzielt. Daneben gab es viele kleinere und größere Spenden aus den Kirchspielsgemeinden. Im Einzelnen ist dies alles detaillierter nachzulesen in der Festschrift „200 Jahre Johanneskirche Oberfischbach". Die letzten Schulden konnten erst am 10. Oktober 1801 beglichen werden.

 

Kirchraum um 1920

Im Sommer 1793 wurde vermutlich der Grundstein gelegt und bis zum Herbst 1794 war der Rohbau errichtet. Im Jahr 1795 konnten die Innenarbeiten soweit vollendet werden, dass man am 8. März 1796 die Kirche einweihen konnte. Die Kirche ist ein einschiffiger Saalbau mit 3/6 Schluss und drei Emporen. Die Apsis an der Ostseite ist so gestaltet, dass Abendmahlstisch, Kanzel und Orgel übereinander angeordnet sind. Die Fenster und die Andeutungen neben der Kanzel sind rundbogig, die Eingänge flachbogig. Die Kirche hat eine Holzdecke und Dachreiter. Sie bietet Platz für ca. 300 Besucher. Die letzte Innenrenovierung fand in den Jahren 1992/93 statt. Dabei wurde darauf geachtet, dass man den Originalfarbtönen des ersten Anstrichs sehr nahe kam. Die Beleuchtung der Kirche wurde neu installiert und ein Kronleuchter aufgehängt. Die letzte Außenrenovierung fand im Jahr 2002 statt.

 

Die Roetzelorgel

Die alte Kapelle, die vermutlich in der Mitte des 12. Jahrhunderts erbaut wurde und die Gemeinde mussten fast 500 Jahre ohne Orgel auskommen. Den Kirchengesang leitete ein Vorsänger, der meistens in der Person des Schulmeisters, der auch gleichzeitig Küster war, gefunden wurde. Im Jahre 1755 entschloss sich das Presbyterium mit seinem Pfarrer Hermann Joh. Grimm, eine Orgel anzuschaffen. So wurde bei dem Orgelbauer Gottfried Friesse aus Rüthen im Herzogtum Westfalen eine Orgel in Auftrag gegeben, die am 21. November 1756, mit einer Predigt über Ps. 146, 2, feierlich an die Gemeinde übergeben wurde.
Weil die Kapelle wegen Baufälligkeit im Winter 1792/93 abgerissen wurde, musste die Orgel nach 37 Jahren wieder abgebaut werden. Alle Einzelteile, schön säuberlich gekennzeichnet und verpackt, wurden in eine nahegelegene Scheune eingelagert. Dort sollte sie aufbewahrt werden, bis sie in der neuen Kirche wieder aufgestellt werden konnte. Dazu kam es aber nicht, weil die Orgel von durchziehenden österreichischen Soldaten total zerstört wurde. In der Scheune hatten sie sicher Futter für die Pferde vermutet und aus Enttäuschung zerstörten sie alles, was angetroffen wurde. An eine Reparatur war nicht mehr zu denken.

Wegen der großen finanziellen Belastungen der Gemeinde durch den Neubau der Kirche, dauerte es bis zum Jahre 1820 bis an eine neue Orgel gedacht werden konnte. Unter dem Pfarrer Johann Adolf Noll kam, wieder durch große Opfer der Gemeinde, eine neue Orgel in die Kirche. Den Auftrag bekam der bekannte Orgelbauer Christian Rötzel aus Alpe bei Eckenhagen. Die Kosten beliefen sich auf 1090 Reichsthaler, dazu kam die Beköstigung des Orgelbauers beim Aufstellen der Orgel.
Die Orgel hat ein Manual C - g’’’, ein angehängtes Pedal C- g° und einen Forte- Pianozug. Ihre Disposition, in der Reihenfolge auf der Windlade, ist folgende: Prinzipal 8’, Bourdon 16’, Lamento 8’, Viola da Gamba 8’, Flute amour 8’, Gedackt 8’, Octave 4’, Quinte 3’, Octave 2’, Tertie 1 ¾’, Mixtur 4-chörig 1 1/3’, Trompete 8’ Bass, Vox humana 8’.
Die Orgel der Johanneskirche in Oberfischbach ist die einzige historische Schleifladenorgel im Siegerland. Der Orgelprospekt zeigt eine durch vier Säulen gegliederte Fassade mit 29 Prospektpfeifen, bedeckt mit einem Dreiecksgiebel, der ein übergroßes strahlendes Auge umschließt. Das Dreieck könnte bedeuten, abgesehen von der Architektur, dem Baustil jener Zeit, dass es bei der Botschaft, die hier verkündigt wird, um Leib, Seele und Geist geht und das alles unter den Augen Gottes. Wie es in 1. Mose 22,14 heißt: "Der Herr sieht".

Die Prospektpfeifen wurden im Jahr 1917 für Kriegszwecke beschlagnahmt und 1920 wieder durch neue ersetzt. In den Jahren 1991/93 wurde die Orgel durch den Siegener Orgelbaumeister Hans Peter Mebold vollständig restauriert. Das Ziel war, den Originalzustand von 1820 wieder herzustellen (siehe Restaurationsbericht in "200 Jahre Johanneskirche"). Dabei mussten alle ca. 800 Orgelpfeifen überarbeitet und zum Teil neu angefertigt werden. Die Kosten für die gesamte Restaurierung beliefen sich auf ungefähr 170.000,- DM.

Die Orgel wurde zuletzt im Juni 2017 von der Orgelbaumeisterei Mebold gewartet und gestimmt. 


(Benutzte Quellen: H.J. Busch, Die Orgeln des Kreises Siegen | 200 Jahre Johanneskirche | Kirchenarchiv Oberfischbach)