Bookmark and Share

   

Nachlese zum Kirchentag

Gedanken zu Eucharistie und Abendmahl

Worin unterscheiden sich die unterschiedlichen Auffassungen vom Abendmahl, obwohl doch für alle christlichen Kirchen gilt: „...und dies tut zu meinem Gedächtnis...“? „Standortbestimmungen“:

1.) Katholisch: Leibhaftige Gegenwart
Jesus Christus selbst lädt zum eucharistischen Mahl, spricht zur Gemeinde, handelt in der Eucharistie, gibt sich dem Vater hin und schenkt sich uns. Wenn der Priester stellvertretend die Worte spricht  „Das ist mein Leib – das ist mein Blut“ (Mk. 14.22.24 etc.) wird Jesus Christus kraft dieser Worte unter den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein wahrhaft, wirklich und wesentlich gegenwärtig. Die Theologen haben dieses Geheimnis als Wesensverwandlung zu erklären versucht. Sie unterscheiden zwischen der äußeren Erscheinungsform von Brot und Wein und den inneren Eigenschaften. Die äußere Erscheinungsweise bleibt bestehen, das innere Wesen verwandelt sich (Transsubstanti-ation), und zwar auf Dauer. Daher gibt es in katholischen Kirchen einen Tabernakel.

2.) Lutherisch: Verschenkende Gegenwart
Auch Luther hält streng daran fest, dass es sich im Abendmahl so verhält, wie die Worte Christi sagen: „Das ist mein Leib.“ Im Abendmahl zeigt sich die Weise Gottes, sich im Irdischen, in der Niedrigkeit zu offenbaren. Luther lehnt aber den katholischen Erklärungsversuch (Transsubstantiation) ab. Er geht vielmehr von der Erkenntnis aus, dass Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Wie sich in ihm Gott und Mensch zu einer wahren Einheit verbinden, so verbindet sich Christi Leib und Blut mit Brot und Wein zu einer sakramentalen Einheit. Christi Leib, so sagt man in der lutherischen Kirche, ist „in, mit und unter“ dem Brot gegenwärtig (Konsubstantiation). Diese Gegenwart ist nur auf die Abendmahlsfeier und den Empfang bezogen.

3.) Reformiert: Zeichenhafte Gegenwart
Die Reformatoren Zwingli und Calvin wehrten sich dagegen, Christus im Sakrament des Abendmahls „dingfest“ zu machen. Es widerspricht der Ehre und der Freiheit Gottes, sich an solch irdische Dinge wie Brot und Wein zu binden. Für Zwingli sind Brot und Wein nur Zeichen, die dem Christen helfen, sich an Christus zu erinnern. So interpretiert er die Abendmahlsworte: „Das bedeutet meinen Leib.“ Calvin ist weniger rigoros. Er nimmt eine wirkliche Gegenwart Christi im Abendmahl an: Während die Gläubigen Brot und Wein empfangen, werden sie zugleich durch den Heiligen Geist mit Leib und Blut Christi, der im Himmel ist, vereinigt. Dies gilt jedoch nur für den Glaubenden. Wer nicht glaubt, empfängt nur äußere Zeichen.